Echo-Online: Komisches von Szene zu Szene

15. November 2011  | Von Hans-Dieter Schmidt

Lustspiel der Theatergruppe: Publikum im Dorfgemeinschaftshaus von „Iwwerzwäisch“-Aufführung hellauf begeistert

WÜRZBERG | Gertrud Maibohm (Desiree Hess) bringt ihren trinkfesten Gatten Bruno (Michael Emig), derzeit ohne Führerschein, in das Wellnesshotel „Zum Rosa Rüssel“. „Oa Stunn Autoboan, zwaa Stunn euparke – woann de liewe Gott gewollt hätt, dass Weiwer Auto fahrn, doann hätt er Gummiblech erfunne“ – kaum drei Sätze gesprochen, schon schaffte Bruno die ersten Lacher der zahlreichen Besucher. Ort des Handelns waren die beiden Aufführungen der Würzberger Theatergruppe „Iwwerzwäisch“ im Würzberger Dorfgemeinschaftshaus. Empfangen wurde das zerstrittene Ehepaar vom hochgradig schwulen Chef Engelbert Heiler, alias Andreas Walther, der in dieser Hauptrolle unvergleichlich brillierte. Dort schon einquartiert inkognito als Frau Müller ist Gräfin von Mertesheimer (Thordis Weyrauch), die um ihr wertvolles Collier fürchtet, während Bruno seine eifersüchtige Frau Gertrud gern schnellstens los würde. Katrin Schiffer (Carolin Kirchschlager) soll sich als Fitnesstrainerin intensiv um die Gäste kümmern, während Cornelia Lengsfeld (Carmen Müller) als scharfer aber auch trinkfreudiger Kurschatten ihre Reize ausspielt. Die Mafiosi Mama Vitello (Annette Emig) und ihr Sohn Vicence (Peter Petzka) haben es auf das Collier der Gräfin abgesehen und sprechen zur Freude des Publikums nur holpriges Deutsch. Polizeikommissar Horst Butalski (Christoph Walther), zuletzt tätig für den „CSI“ New York und Mangelsbach, bewies seinen kriminalistischen Spürsinn. Mit nur neun Akteuren hatte Christel Bleifuß das turbulente Stück von Vera Wittrock einstudiert, wobei sie selbst zusammen mit Christiane Weidmann auch als Souffleuse agierte.

Streitgespräch beim Tanztee zwischen der Krankengymnastin Katrin (Carolin Kirchschlager; Mitte) und dem schwulen Hotelinhaber Engelbert Heiler (Andreas Walther), beobachtet von Gräfin Mertesheimer (Thordis Weyrauch). Foto: Hans-Dieter Schmidt

Streitgespräch beim Tanztee zwischen der Krankengymnastin Katrin (Carolin Kirchschlager; Mitte) und dem schwulen Hotelinhaber Engelbert Heiler (Andreas Walther), beobachtet von Gräfin Mertesheimer (Thordis Weyrauch). Foto: Hans-Dieter Schmidt

Eindeutigkeiten, eindeutige Zweideutigkeiten, je eine Portion Krimi und Flirt, ließen Gag auf Gag folgen. Vom möglichen Lampenfieber der spielfreudigen Truppe, das Bleifuß in ihrer Begrüßung ansprach, war nichts zu bemerken. Eher war für die Gäste verwunderlich, dass die Laienschauspieler nicht selbst in das nicht enden wollende Gelächter der Zuschauer einfiel. Vielmehr spielten, ja lebten, sie ihre Rollen mit Leidenschaft und Bravour. Brunos Frau Gertrud musste als Lockvogel die Rolle der inkognito anwesenden Gräfin übernehmen, sodass selbst Bruno sie nicht wieder erkannte und ihr den Hof machte. Der schwule Heiler war besonders vom Gesichtsflokati (Bart) des Kommissars fasziniert.
Ein Tanztee brachte die Pärchen und ihre Interessen einander näher, die Auflösung des Rätsels um das letztlich doch verschwundene Collier aber nicht, trotz Geiselnahmen durch die Mafia-Mama und den Kommissar. Das Collier hatte am Ende Bruno, der sich mit Gertrud aussöhnte und vor dem Eintreffen des Kommissars verschwinden konnte.
Das überraschende Ende des Stücks mündete in anhaltende Ovationen für die Akteure. Viele Helfer hatten das ansprechende Bühnenbild gestaltet, dessen komplette Einrichtung pinkfarben ausgelegt war, und wirkten auch während der Vorführungen im Hintergrund. Bleifuß hatte Geschenke für Peter Petzka, der zum fünften Mal auf der Bühne stand, und sie dankte Annette Dingeldein, die sich um die Verpflegung der Gäste kümmerte, zumeist mit Speisen. Letztmals wird das Spiel am kommenden Samstag (19.) um 19.30 Uhr in der Limeshalle Vielbrunn aufgeführt. Karten dafür gibt es noch.

Quelle: http://www.echo-online.de/region/odenwaldkreis/michelstadt/Komisches-von-Szene-zu-Szene;art1274,2356020